DEFO: Sie haben sich an unserem Fachbereich um eine Professur beworben und den Ruf angenommen. Was reizte Sie gerade an der Freien Universität und an seinem juristischen Fachbereich?
Ich sehe eine Professur hier als spannende Herausforderung und denke, dass man am Politik- und Wissenschaftsstandort Berlin in meinen Forschungsbereichen (Europa-, Verfassung- und Umweltrecht) mit interessanten Menschen zusammenarbeiten kann.
DEFO: Wie haben Sie zum Studium der Rechtswissenschaft gefunden?
Motivierend war mein Interesse an den Themen „Europa“ und „Umweltschutz“. Beide Gebiete haben mich durch das Studium getragen, zunächst in Saarbrücken, wo ich u.a. am dortigen Europa-Institut studieren konnte, nach dem vierten Semester dann in Göttingen. Mein Postgraduiertenstudium am Europa-Kolleg in Brügge, meine Stage im Juristischen Dienst der EU-Kommission, mein Referendariat in Berlin, bis hin zu meinen wissenschaftlichen Arbeiten (Dissertation und Habilitation) waren von diesen Themen geprägt.
DEFO: Sie betreiben die „Juristerei“ als Wissenschaft, warum nicht (mehr) als Anwalt, in der Justiz bzw. in Wirtschaft oder Verwaltung?
Ursprünglich wollte ich nach dem Referendariat in Berlin direkt zur EU-Kommission. Das Studium in Brügge und meine Stage hatten die diesbezüglichen Chancen sehr erhöht. Jedoch hatte ich im Laufe der Zeit zunehmend mein wissenschaftliches Interesse entdeckt. Nach der Promotion bekam ich dann das Angebot einer Habilitationstelle am Europa-Institut in Saarbrücken. Das war eine einmalige Chance, zumal ich ein Jahr frei war, diese Entscheidung wieder zu ändern. Daher konnte ich meine Brüssel-Pläne erst einmal unbesorgt zurückstellen, mir ging ja nichts verloren... Und dann machte mir die Wissenschaft, aber auch das Arbeiten mit den Studenten, so viel Spaß, dass ich dabei blieb.
DEFO: Angenommen, Sie stünden wieder vor der Entscheidung „Jura oder ...?“, und wenn ja „Jura in welchem Beruf?“, wie würden Sie sich jetzt entscheiden? Warum?
Auch wenn ich immer mal wieder mit dem „Jura“ gehadert habe, ich bedaure nichts...
DEFO: Was hat sich am Studium und an den Studierenden der Rechtswissenschaft seit ihrem eigenen Studium geändert?
Ganz wunderbar finde ich, dass heute so viele Studenten im Ausland studieren. Dank des Erasmus-Programms der Europäischen Union ist dieses heute viel leichter als früher. Zu meiner Studienzeit gab es für Juristen außer Genf und Lausanne im Studium kaum Angebote. Mir scheinen die Studenten ansonsten aber viel weniger über den sog. „Tellerrand“ zu blicken. Sie wollen (und sollen, von der Hochschulpolitik radikal befördert) möglichst schnell und effizient studieren. Es bleibt dann aber zu wenig Zeit zur Vertiefung und Profilbildung. Darin sehe ich ein großes Problem, denn Juristen mit Profil sind interessanter und haben viel mehr Möglichkeiten im späteren Berufsleben, weil sie glaubwürdig sagen können, warum sie sich um einen Job bewerben...
DEFO: Was legen Sie den heutigen Jurastudierenden besonders ans Herz?
Das ergibt sich aus meinen Antworten zu Frage 2. und 5. Suchen Sie sich ab spätestens ab dem vierten Semester in diesem Sinne „Ihr“ Thema, definieren Sie Ihr „Anliegen“, dass Sie im Studium auch „trockene“ Themen durchstehen lässt, Sie motiviert und zu Ihrer Profilbildung beiträgt. Interessieren Sie sich, bemühen Sie sich um Kontakte, auch zu Professoren, indem Sie kleine Veranstaltungen mit wenig Studenten besuchen, arbeiten, reden und diskutieren Sie dort mit, zeigen Sie Ihr Interesse und geben Sie damit auch den Professoren eine Chance.
DEFO: Haben Sie einen Wunsch für das kommende Semester?
Im Sinne von 6. wünsche ich mir Studenten, die sich für eine Vorlesung interessieren, dort mitarbeiten und engagieren. So vermag ich vielleicht meinen Idealismus zu bewahren...

. Und wir alle haben eine wirklich gelungene Vorlesung, aus der wir alle zufrieden herausgehen.
Außerdem wünsche ich mir, dass die Politik sich mit Blick auf die negativen Folgen der „Ökonomisierung von Forschung und Lehre“ sensibler zeigt. Gute Universitäten brauchen annehmbare Arbeitsbedingungen für Studenten und Professoren. Andernfalls werden die qualifizierten Professoren irgendwann flüchten und den Studenten eine inhaltlich entleerte „Le(e)hre“ hinterlassen. Es gilt sich auch einmal für die Qualitäten der HEUTIGEN Universitäten zu interessieren, ihren sog. „Output“ ohne verfälschenden Blick auf Harvard und Oxford zu betrachten. Angesichts knapper Finanzmittel in Massenuniversitäten und teilweise schlechter Arbeitsbedingungen mutet dieser insgesamt noch immer erstaunlich gut an...
DEFO: Welche Veranstaltungen bieten Sie im Wintersemester an?
- Vorlesung Binnenmarkt und Politik in der EU
- Seminar Europarecht
- Universitätsrepetitorium Grundrechte
DEFO: Wie können die Studierenden zu Ihnen Kontakt aufnehmen (persönlich, per Post und Email)? Wann ist Ihre Sprechstunde?
Erreichbar bin ich per Email europarecht@fu-berlin.de. Persönliche Termine können gern mit meinem Sekretariat abgesprochen werden.
Das Interview wurde per Email geführt.
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