... erstmal von Anfang an
Doch erstmal von Anfang an. Denn schon lange, bevor ich letztendlich nach Irland abgereist bin, hatte mich das Auslandssemester schon voll in Beschlag genommen. Nachdem das Grundstudium geschafft war und ich so langsam eine Vorstellung davon bekommen hatte, was im Jurastudium noch so alles auf mich zukommt (besser spät als nie), wollte ich auch neben den Prüfungen etwas voraus planen. Mein erster Schritt bestand also darin, auf unsere
Fachbereichsseite zu gehen und mal rumzuschauen, was da so alles steht. Und dank des super Aufbaus bin ich auch ziemlich schnell über das Studien- und Prüfungsbüro zu der Seite gelangt, wo alle Partneruniversitäten des Erasmusprogrammes aufgelistet waren, sortiert nach der jeweiligen Sprache der dortigen Vorlesungen. Vertreten waren Spanien, Schweiz, Frankreich, England, Schottland, Dänemark, Belgien, Türkei, Litauen, Polen, Lettland, Portugal, Holland, Schweden, Italien, Griechenland, Irland und Österreich. Da fast alle Länder noch mal mit verschiedenen Städten aufwarten, ist es eine nicht gerade kleine Auswahl. Unter dem Namen der jeweiligen Uni findet man auch einen Link zu ihrer jeweiligen Homepage, sodass man sich gleich schon mal ein bisschen erkundigen kann. Ansonsten steht das Studienbüro (erste Ansprechpartnerin ist Nicole Schindler) auch immer mit Rat und Tat zur Seite. Und wenn sie selbst nichts über die Uni wissen, so haben sie immerhin Erfahrungsberichte von ehemaligen Erasmusstudenten oder können dir eventuell sogar deren e-Mail Adresse geben, sodass Du sie selbst anschreiben kannst.
Hat man sich dann entschieden, dass man gerne ins Ausland gehen würde, beginnt das Bewerbungsverfahren um einen Platz. Alles Wesentliche erfährt man auch hier über die Seite des Studien- und Prüfungsbüros, so zum Beispiel auch, dass zu den Bewerbungsunterlagen ein Motivationsschreiben gehört. Dieses Motivationsschreiben muss in der Sprache der Universität verfasst werden. Für mich begrenzte das die Auswahl schon auf die englischsprachigen Universitäten. Man kann insgesamt drei Wünsche mit Prioritätsordnung angeben. Nach einem wirklich angenehmen Bewerbungsgespräch mit Dr. Fijal hatte ich dann auch schon bald meine Zusage für einen Studienplatz für ein Semester an der
University of Limerick in Irland. Doch der Verwaltungsstress war hiermit nicht beendet, sondern fing erst richtig an: Unterkunft und Immatrikulation in Irland, Medizinformular, learning-agreement mit den Vorlesungen, die ich besuchen will, Flugbuchung etc.
Ich hatte also im Wintersemester 07/08 alles Mögliche um die Ohren, vor allem, weil ich mich auch noch entschlossen hatte, die Übungen im Ö-Recht und im Zivilrecht zu erledigen, bevor ich abhaue. Stressig, aber total machbar und jedem zu empfehlen. Wenn man nämlich scheinfrei weggeht, kann man das Semester ohne Hintergedanken an zu Hause genießen.
Am 19. Januar 2008 war es dann endlich soweit für mich, von Berlin-Schönefeld ging es für mich zum Dublin Airport. Zu meinem Glück wurde ich von meinen Eltern begleitet und konnte deren Koffer ordentlich mitbenutzen. Ryanair gönnt jedem Passagier nämlich nur 15 Kilo Gepäck und das ist, ob Junge oder Mädchen, ob jung, ob alt, für ein halbes Jahr einfach nicht machbar.
Mein neues Heim
Nach einer Übernachtung in der Hauptstadt, wo man zum ersten Mal durchnässt wurde, und gut 2 Stunden Autofahrt hatte ich dann endlich die Schlüssel für mein neues Heim in der Hand und konnte anfangen, es mir gemütlich einzurichten. Zugegeben, letztendlich ist alles eher gedrängt, wenn man sich mit sieben anderen Studenten ein Haus teilt, aber das hab ich für die paar Monate gerne in Kauf genommen.
So würde ich auch heute noch jedem empfehlen, sich eine Wohnung oder ein Haus von der Uni auf dem Campus zu suchen, wenn denn so etwas angeboten wird. In sein eigenes Zimmer kann man sich immer zurückziehen es ist einfach schön, gleich so viele Leute gezwungenermaßen kennenzulernen. Mein Haus war dazu recht international (vier Amerikaner, eine Spanierin, eine Italienerin, eine Französin), was es gleich doppelt interessant gemacht hat! Außerdem wohnen die meisten internationalen Studenten auch alle in den Studentendörfern und so wird das gesamte Dorf schon mal schnell zu einer großen Familie, was einfach nur lustig ist. Schließlich hat man immer jemanden zum reden und es wird nie langweilig.
Universität und Campusleben
Auch zur Uni waren es von meiner Haustür aus nur zehn Minuten zu Fuß, wodurch ich dann auch wirklich regelmäßig die Vorlesungen besucht habe, da es letztendlich einfach kein großer Aufwand war. Allerdings waren diese an der University of Limerick eh so gestaltet, dass man sie nicht hätte verpassen mögen (meistens zumindest). Für jeden Professor war eine gute PowerPoint-Präsentation eine Selbstverständlichkeit, die Slides konnte man sich nach jeder Stunde runterladen, mein ältester Prof. war 39, in einer Vorlesung sind nicht mehr als 70 Studenten (meistens jedoch unter 30) und zu jedem Fach wird einem ein Tutorium zugeteilt. Man ist also rundum versorgt und kann sich bei weiteren Fragen an wirklich jeden auf dem Campus wenden. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich einfach total verloren auf dem riesigen Gelände stand und mich dann einfach jemand an der Hand genommen und zum richtigen Raum geführt hat, obwohl er in die ganz andere Richtung musste. Auf die Freundlichkeit der Iren ist genauso wie auf den täglichen Regen dort total Verlass.
Der behandelte Stoff ist von dem Niveau her schon teilweise etwas unter dem der FU, dazulernen tut man trotzdem. Ich hatte eine Mischung aus internationalem Recht (Europarecht, Menschenrechte, Rechtsvergleich) und irischem Recht, dazu noch zweimal die Woche einen kostenfreien Sprachkurs (English as a foreign language). Für mich war das die perfekte Mischung, ich habe schon etwas für meinen Schwerpunkt mitgenommen, aber durch das irische Recht auch noch mal das Land etwas besser kennengelernt.
Prüfungstechnisch habe ich während des Semesters zwei kleine Hausarbeiten (2500 Wörter) verfasst und am Ende dann in jedem Fach eine Klausur geschrieben (und glücklicherweise auch bestanden). Alles machbar!
Auch Kultur ist nicht zu kurz gekommen
Genug aber vom universitären Teil, man geht ja natürlich auch ins Ausland um ein Land, dessen Kultur und tolle neue Leute kennen zu lernen. Das ging auch ziemlich schnell. Ich habe wirklich jeden Einführungsveranstaltung und jedes Kennenlerntreffen mitgemacht, aber es hat auch einfach Spaß gemacht, mit Leuten aus aller Welt zu reden und zu feiern. Da in Limerick selbst auf dem Campus fünf verschiedene Pubs sind, hatten wir von Karaoke-Singen über Tanzwettbewerbe und Kneipenquizs bis zu Männerversteigerungen für einen guten Zweck wirklich immer etwas zu tun. Dabei dürfte natürlich auch ein gutes Pint Guinness nicht fehlen. Jedoch merkte ich auch schnell, dass man sich an zwei Dinge wohl gewöhnen muss: die wirklich ständige Trinkbereitschaft der Iren und die hohen, hohen, hohen…ach ja, hohen Preise! Ob Essen, Trinken, Putzmittel, Schreibwaren – Irland ist einfach sauteuer! Zwar bekommt man vom Erasmusbüro den Höchstsatz (160 €/Monat), aber ohne einen guten Batzen Eigenerspartes wäre ich doch aufgeschmissen gewesen. Insgesamt habe ich noch mal zusätzlich zur Miete (1600 €/Semester) zwischen 400 und 500 € im Monat ausgegeben. Das könnte man sich aber auch noch ein bisschen niedriger halten.
Aber man will natürlich auch in diesen paar Monaten, in denen man weg ist, alles miterleben.
Das hab ich dann auch gemacht: Sobald ich ein paar feste Freunde gefunden hatte, sind wir eigentlich fast jedes Wochenende an einen anderen Teil Irlands gereist (Cork, Dublin, Kilkenny, Cliffs of Moher, Ring of Kerry, Connemara, Killarney etc.). Und ich muss auch sagen, dass es genau diese Trips waren, die meinen Aufenthalt auf der Insel so unvergesslich gemacht haben. Denn Irland ist von seiner Landschaft einfach unvergleichlich und der Besuch der verschiedenen Städte hat mir einen richtig tiefen Einblick in die Kultur gegeben. Aber auch Limerick selber hat dazu gut beigetragen. So habe ich dort den für Irland sehr wichtigen St. Patrick’s Day erleben können. Zusammen mit anderen Erasmusstudenten habe ich den Tag schon mit einem Frühstück samt kleeblattförmiger Pancakes und Verkleiden (natürlich alles in grün-weiß-orange) eingeläutet. Danach gab es eine riesige Parade im Stadtcenter und den Rest des Tages haben wir dann in den verschiedenen Bars und Clubs der Stadt verbracht, sodass es noch sehr lustig wurde. Wer also im Sommersemester nach Irland geht, sollte den 17. März grüne Socken tragen und es richtig krachen lassen. Schließlich soll das Glück für das restliche Jahr bringen.
Allerdings muss ich zugeben, dass mein Semester an der University of Limerick nicht nur an diesem Tag aus Feiern bestand. Natürlich habe ich auch das Studium ernst genommen, aber wenn man auf einem Haufen mit seinen ganzen Freunden wohnt, kann man die gute Stimmung nun mal nicht aufhalten.
Prüfungszeit
Zu der Zeit als die Prüfungstermine dann aber bevorstanden, sind wir schon alle ein bisschen kürzer getreten und haben dann ordentlich gepaukt. Mit den ganzen Folien und den paar Büchern, die ich mir über die Students Union aus zweiter Hand besorgt hab (neu kosten die nämlich bis zu 250€), kam da dann auch ganz schön viel Stoff zusammen, den ich mir eintrichtern musste. Die Klausuren sind teils leichter als an der FU Berlin (so gibt es auch bei Jura multiple choice Fragen), jedoch sollte man sie nicht unterschätzen, da ja auch die Sprache noch eine gewisse Hürde darstellt.
Nachdem die Klausuren vorüber waren, wurde dann noch mal ordentlich gefeiert und dann ging es auch schon wieder zurück nach Deutschland.
Fazit
Alles in allem muss ich sagen, dass die Zeit in Irland wohl mit zur Besten meines Lebens gehört. Ich habe ein ganzes Land erkundet und dazu viele internationale Freundschaften geschlossen, die das Potential haben, ein Leben lang zu halten. Gelernt habe ich auch so einiges und mein Englisch ist inzwischen so fließend, dass ich schon oft für eine Amerikanerin oder Britin gehalten wurde. Es war also ein voller Erfolg und ich würde es jederzeit noch mal genauso machen.
Antonia Ernst
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