Die Lage des Fachbereichs ist besser als viele meinen. Jedenfalls die finanziell bleiernen Jahre von Berliner Bankenskandal und Haushaltsnotlage scheinen vorbei. Es gibt Grund, mit Optimismus auf die vielfältigen Chancen zu blicken, die der Wissenschaftsstandort Berlin und der Elitestatus unserer Universität bieten. Dazu einige substantiierende Hinweise, die zugleich Arbeitsschwerpunkte des Dekanats (Gremium aus Dekan, Prodekan, Studiendekan und Verwaltungsleiterin) in den letzten Monaten wiedergeben.
Berufungen
Von zentraler Bedeutung für das Standing einer Fakultät sind ihre Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer. Von großer Bedeutung sind darum Berufungen. Herr Professor Calliess und Herr Professor Hoffmann-Holland haben ihre Tätigkeit am Fachbereich in der ersten Hälfte dieses Jahres aufgenommen und ihre Lehrstühle aufgebaut. Während der Drucklegung dieses Heftes wird wahrscheinlich der Ruf an Herrn Professor Petersen, Universität Potsdam, ergehen, der sich um die Kerngebiete des bürgerlichen Rechts in Forschung und Lehre kümmern soll. Der Fachbereich ist dank seiner Vernetzung mit anderen Teilen der Freien Universität Berlin an den Berufungsverfahren Juniorprofessur Osteuroparecht und Gender & Diversity beteiligt, die kurz vor dem Abschluss stehen. Das Verfahren zur Besetzung der Professur für Bürgerliches Recht und Deutsche Rechtsgeschichte läuft nunmehr.
Finanzen
Der Fachbereich ist unterfinanziert, was bei der Ausstattung mit Professuren und wissenschaftlichen Mitarbeitern, beim Budget unserer Bibliothek und beim allgemeinen baulichen Zustand besonders unangenehm auffällt. Die Kellerräume von Boltzmannstr. 1 und 3 dürfen wegen Schimmelbefall z.B. nur mit Schutzkleidung betreten werden; für manche Toilette in der Boltzmannstr. 3 müsste Ähnliches gelten. Andererseits ist der Fachbereich nicht verschuldet (weil es insbesondere keine Personalüberhänge gibt). Letzteres eröffnet auf zugegeben niedrigem Niveau gewisse Handlungsspielräume, die es ermöglichen, kleinere Probleme mit „Bordmitteln“ zu lösen.
Bauliches
Auch in den nächsten Monaten werden sich am Fachbereich ständig neue Baustellen auftun. Das Studien- und Prüfungsbüro soll im September 2008 in das Erdgeschoss der Boltzmannstr. 3 in größere und funktionalere Räume umziehen, mit dem erklärten Ziel, den Service für die Studierenden zu verbessern. Seine bisherigen Räume werden dann von den studentischen Gruppen genutzt. Den Rest des Erdgeschosses der Boltzmannstr. 3 werden im Lauf des Wintersemesters das Dekanat, die Fachbereichsverwaltung und einige Serviceeinheiten bevölkern. Weitere Umzüge zeichnen sich ab.
Zielvereinbarungen mit dem Präsidium
Die Beziehungen des Fachbereichs zum Präsidium sind für die Jahre 2008 und 2009 in Zielvereinbarungen geregelt worden. Wichtige Zielparameter sind im Bereich Lehre die Absolventenquote (Vorgabe 80 %) und im Bereich Forschung die Drittmitteleinwerbungen.
Studienreform
Das Schwerpunktbereichsstudium ist etabliert, die Modularisierung abgeschlossen, das System von Prüfungs- und Abschlussberatungen greift, Universitätsrepetitorium und Examensklausurenkurs funktionieren. Jüngste Statistiken zeigen, dass Studierende, die nach neuem Recht studieren, sowohl in der universitären Schwerpunktbereichsprüfung als auch in der staatlichen Pflichtfachprüfung erkennbar besser abschneiden. Im wichtigen CHE-Ranking, im Mai 2008 veröffentlicht in DIE ZEIT, hat der Fachbereich gut abgeschnitten; mit seiner Bibliotheksausstattung gehört er, trotz der eben erwähnten finanziellen Restriktionen, bundesweit zur Spitzengruppe.
Ausländische Studierende
Im FU-internen Ranking liegt der Fachbereich bei der Zahl ausländischer Studierender mit 460 auf Platz 4, knapp hinter den Germanisten. Schwerpunkte sind hier die osteuropäischen Staaten, die Türkei und Griechenland. Unter den Absolventen der letzten GJPA-Kampagne war sogar ein Japaner, der erst zum Studium nach Deutschland gekommen ist.
Internationale Kontakte
Für den Dekan das angenehmste Betätigungsfeld; Außenpolitik macht bekanntlich mehr Spaß als Innenpolitik. Im Mai 2008 ist der Fachbereich dem Center for Transnational Legal Studies (CTLS) in London beigetreten, einer gemeinsamen Einrichtung der juristischen Fakultäten von Georgetown University (Washington), Universität Toronto, Universität Sao Paulo, King´s College (London), Universität Fribourg, Universität Turin, HU Jerusalem, Seoul und Singapure National University, University of Melbourne – und Freie Universität Berlin. Wie die Partner entsendet unser Fachbereich dorthin für jeweils ein Jahr bis zu sieben Hauptfachstudierende, die dort von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern unterrichtet werden, die von den beteiligten Universitäten dorthin abgeordnet werden. Im spring term 2009 wird dies für unseren Fachbereich Herr Professor Hoffmann-Holland sein. Der Fachbereich hofft, dass CTLS von leistungsstarken Studentinnen und Studenten als Herausforderung begriffen wird, für die es lohnt, sich ins Zeug zu legen! Internationales findet natürlich auch in Berlin statt. Das Angebot englischsprachiger Lehrveranstaltungen ist zielstrebig ausgebaut worden. Im Wintersemester wird, dies als Experiment, eine Ringvorlesung Einführung in das japanische Recht angeboten, die von den am Fachbereich tätigen japanischen Gastwissenschaftlern gestaltet wird; Vorlesungssprache wird japanisch sein; zuvor, im September, wird ein großes wissenschaftliches Symposion mit Professorinnen und Professoren von der Nihon-Universität (Tokyo) in Berlin stattfinden.. Im Wintersemester wird weiter eine gemeinsame e-learning-Plattform mit der Juristischen Fakultät der Staatlichen Universität St. Petersburg aufgebaut. Das THEMIS-Netzwerk (mit Partnern in Barcelona, Mailand und Paris, wichtig vor allem für den Studierendenaustausch) und die Beziehungen zur Law School der University of Connecticut in Hartford sind für solche Neuerungen inzwischen eine bekannte und bewährte Grundlage.
Künftige Herausforderungen und Arbeitsschwerpunkte werden aus Sicht des Dekanats sein:
* die weitere Vernetzung des Fachbereichs in der Universität. Stichworte insoweit sind: das Exzellenzcluster TOPOI, die Dahlem Research School (zuständig für strukturiertes Promotionsstudium), der Sonderforschungsbereich 700 (Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit), Forschergruppen in den Bereichen Europa-, Steuer-, Umwelt- und Versicherungswissenschaften;
* die Nachfolge von Herrn Professor Säcker als nächste und sehr wichtige anstehende Berufung, weiterhin die Wiederbesetzung der Ende 2009 frei werdenden Juniorprofessuren;
* Veränderungen der Raumnutzung wie die Integration der Teilbibliotheken für Deutsche und für Römische Rechtsgeschichte, für Rechtssoziologie und Rechtstatsachenforschung und für deutsches und europäisches Wirtschafts-, Wettbewerbs- und Energierecht in die Hauptbibliothek;
* Ausbau, Verstetigung und Verjüngung des Teams von Honorarprofessoren und Lehrbeauftragten;
* die sog. Alumni-Pflege, d.h. die Pflege des Kontakts zu Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs, dies auch in finanzieller Erwartungshaltung. Die Absolventenfeier wird am 17. Oktober 2008 zum elften Mal in Folge stattfinden; Festredner wird wahrscheinlich Herr Rechtsanwalt und Professor Dr. Raue (Stichwort: MOMA in Berlin) sein.
Für mich selbst werden dies meine letzten „Bemerkungen zur Lage des Fachbereichs“ im DEFO-Info sein. Meine Amtszeit als Dekan geht am 31. März 2009 zu Ende. Schon aus diesem Grund möchte ich mich bei der DEFO-Redaktion bedanken, dass sie mir dieses Forum zur Verfügung gestellt hat.
Das Wichtigste kommt zum Schluss: Für die Lage des Fachbereichs kommt es vor allem auf die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft seiner Studierenden an. Also tun Sie etwas!
Professor Dr. Heintzen
Dekan
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