Ein weiteres halbes Jahr ist vergangen, und ich darf nun tatsächlich das letzte Mal in die Tasten greifen und Euch aus dem Akademischen Senat berichten. Denn, nachdem ich nun zwei Amtsperioden und damit vier Jahre Eure studentischen Interessen vertreten habe, wird es auch für mich Zeit, mich doch wieder mehr meinem Studium und vor allem dessen Abschluß zu widmen. Daher wird dieser Artikel auch ein wenig Resümee über die letzten vier Jahre sein.
Kuratorium
Nachdem die bisherige Kuratorin von ihrem Amt zurückgetreten war, mußte ein
neues studentisches Mitglied im Kuratorium gefunden werden. Vorgeschlagen wurde Ronny Patz, seines Zeichens Student der Politikwissenschaften, Mitglied in der Kommission für Lehrangelegenheiten und Angehöriger der LHG, mit der wir ja zusammen im kommenden AS
[?] einen Senatssitz erringen konnten. Ronny wurde mit 2:0:1 (nur die studentischen Senatoren durften abstimmen) gewählt und ich bin mir sicher, er wird in Interesse der Transparenz der Kuratoriumsarbeit
seine Arbeit dort deutlich stärker in die Öffentlichkeit tragen als seine Vorgängerin. Ein Blick in unser Blog oder das der LHG kann sich also auch deswegen lohnen.
Ein neues Präsidium
Obwohl schon – teils sogar mit
Live-Blogging – begleitend berichtet wurde, hier in Kürze noch mal das Wichtigste:
Das aktuelle Präsidium amtiert noch bis zum Sommer diesen Jahres und muß folglich neu gewählt werden. Bemerkenswert dabei ist, daß noch der alte erweiterte AS die Wahl vollzogen hat, obwohl doch im Januar ein neuer gewählt wurde (und ab 1. April seine Arbeit aufnimmt).
Besetzt wurden am 21. Februar der Posten des Präsidenten und des ersten Vizepräsidenten (VP). Gleichzeitig wurden die Kandidaten für die weiteren VP-Posten nominiert.
Und auch wenn bei Redaktionsschluß deren endgültige Wahl noch nicht gelaufen sein wird, so denke ich dennoch, dass ich im folgenden
das neue Präsidium vorstellen kann:
Präsident: Prof. Dr. Dieter Lenzen erreichte bereits im ersten Wahlgang die benötigte Mehrheit von 31 Stimmen (42 Ja - 11 Nein) und ist damit alter und neuer Präsident der FU Berlin.
Wir gratulieren ihm zu seiner Wahl und verbinden dies mit dem Wunsch und der Hoffnung auf weiterhin gemeinsame und für die FU fruchtbringende Arbeit im Akademischen Senat.
So sehr diese Entscheidung auch für Kontinuität steht, so deutlich sind hingegen die Änderungen bei den Vizepräsidenten:
1) Sie sind alle neu – frischer Wind im P-Amt.
2) Drei von vier VP-Posten werden erstmalig mit Frauen besetzt – ein erfreulicher Schritt.
3) Das neue Präsidium ist im Schnitt deutlich jünger als das alte – Generationenwechsel.
Bevor das gleich vorgestellte Personal-Tableau allerdings von den professoralen Senatoren vorgeschlagen wurde, kam es doch zu einigen
Irritationen: Die kleineren Professoren-Gruppen (Dienstagskreis und Liberale Aktion) fühlten sich bei der Nominierung von VP1 übergangen (bislang wurde dieser Posten immer einer der beiden Gruppen zugesprochen) und auch die ersten Vorschläge für die weiteren vizepräsidialen Posten fanden bei der großen Vereinten Mitte nicht die erhoffte Gegenliebe. So wurde etwa Prof. Werner Väth nicht mehr nominiert.
Erste Vizepräsidentin: Nachdem im Vorfeld nur zu hören war, daß Prof. Klaus W. Hempfer nicht erneut antreten würde, ein neuer Name aber nicht herauszubekommen war, waren alle gespannt:
Als Kandidatin wurde Prof. Dr. Ursula
Lehmkuhl, Professorin für Geschichte Nordamerikas am JFK, ins Rennen geschickt. Für sie spricht u.a. die Teilhabe an diversen Forschungsprojekten (Transatlantic Degree Programs Project, Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit, ...), sowie ihre Mitgliedschaften in diversen wissenschaftlichen Beiräten und Vorständen oder auch ihre durchaus beachtliche Gremienerfahrung (Mitglied des Fakultätsrats Sozialwissenschaften Ruhr-Uni Bochum (RUB), Fakultätskommission für Lehre, zuständig für Fragen des Credit-Point-Systems (RUB), Studiendekanin der Philosophischen Fakultät Erfurt, Vizepräsidentin an der Uni Erfurt). Mit ihrer Wahl (43 Ja - 10 Nein) gewinnt die FU ihre erste Erste Vizepräsidentin. Glückwunsch! Als VP1 wird sie zudem für den Fachbereich Rechtswissenschaft zuständig sein.
Nominiert, aber noch nicht gewählt sind:
Prof. Christine
Keitel-Kreidt, Erziehungswissenschaften/Psychologie: Sie soll Vizepräsidentin für Lehre und Studium werden, also insbesondere auch zuständig für die KfL
[?]. Von den Fächern der FU soll sie die Politik- und Sozialwissenschaften, Erziehungswissenschaft/Psychologie, sowie Wirtschaft betreuen.
Prof. Monika
Schäfer-Korting, Pharmalogie: Sie soll für den Bereich Forschung zuständig sein und vertritt die Medizin und BioChemiePharmazie im Präsidium.
Prof. Jochen
Schiller, Informatik: Er soll die restlichen naturwissenschaftlichen Fächer betreuen und für den Bereich „Wissenschaft / Forschung in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft“ zuständig sein.
Lehramts-Master
Die Umstellung auf Bachelor und Master betrifft die ganze Uni. Die angehenden Lehrer aber sind wohl in besonderer Weise davon betroffen, gehören sie doch zu denen, die ohne Master eigentlich keinerlei Berufschancen haben, denn dem Staat ist natürlich der – angeblich ja so tolle – Bachelor nicht genug für den Dienst als Lehrer.
Nachdem wir bereits die Bachelor-Studiengänge alle auf den Weg geschickt hatten, wurde nun der Lehramtsmaster virulent. Im Zusammenspiel mit Senatsverwaltung und den anderen Unis in Berlin wurde ein Konzept erarbeitet, dass allerdings nicht wirklich den Stein der Weisen darstellt – diplomatisch ausgedrückt. Diskutiert wurde insbesondere die
Problematik des sog. kleinen, einjährigen Masters, mit dessen Konzeption auch der AS (
und die KfL) nicht wirklich glücklich war. Dennoch haben wir uns, nicht zuletzt auch aufgrund unserer Verantwortung für die aktuell kommenden BA-Absolventen entschieden, die Studiengänge einzurichten. Allerdings verabschiedete der AS anschließend eine Resolution um seiner Kritik an der kommenden Situation in der Berliner Lehrerausbildung Ausdruck zu verleihen.
Erfreulich war dann noch mal die Aussage von VP3 Väth, dass in der zuständigen Berliner Vizepräsidenten-Runde Einigkeit herrschte, dass alle, die in den nächsten zwei Jahren erfolgreich den Lehramts-BA absolvieren, einen Master-Platz bekommen sollen.
4 Jahre AS
Soviel aus den aktuellen Sitzungen, und nun der angedrohte Rückblick:
Es war eine spannende Zeit, viele wichtige Weichenstellungen wurden getroffen. Wir haben auf BA/MA umgestellt, aus alten Nebenfächern wurden Modulangebote. Mit dieser Umstellung wurde auch die Zulassungspraxis geändert: Vormals konnte man sich für Haupt- und Nebenfach bewerben und wurde in beiden Studiengängen nach
Abi-Note UND Wartezeit zugelassen. Für die neuen Modulpakete, die das Nebenfach im Bachelor ersetzen, wurde allerdings gegen unseren Protest beschlossen, daß hier nur noch die reine Abi-Note zählen soll. Der Exzellenzsicherung sollte das dienen, zu Chaos und Ungerechtigkeiten hat es geführt! Nun steht eine Novelle der Regelungen in Aussicht, in der genau das geändert werden soll: Bachelor und Modulangebot sollen wieder (im übrigen auch wesentlich grundrechtsfreundlicher!) nach Abi UND Wartezeit vergeben werden!
Und auch wollte niemand hören, dass die FU-Maluspunkte-Regelung Probleme machen wird, und nun ist
ein zentraler Punkt davon ausgesetzt und soll ganz gestrichen werden. Alles Beispiele dafür, dass wir als studentische Vertreter leider nicht immer und sofort alle unsere Ideen umsetzten konnten und können, aber dass dennoch Beständigkeit sich auszahlen kann. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen und auch studentische Interessenvertretung ist angesichts einer absoluten professoralen Mehrheit oft davon geprägt. Es ist anstrengend, und bei weitem nicht alle meine studentischen Mitsenatoren anderer Listen sind derart hartnäckig am Ball geblieben. Dies ist dann der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Genauso wichtig, wenn nicht gar noch wichtiger ist zudem die Mitarbeit in der Kommission für Lehrangelegenheiten. Denn dort findet sich in deutlich kleinerer Runde eher die Zeit, problematische Beschlußvorlagen zu besprechen, auf Probleme der Studierenden hinzuweisen und studentische Interessen zu vertreten. Insbesondere, und das muß man auch mal ganz klar aussprechen, wenn einem die Zeit für eine vernünftige Debatte im AS oft bewußt nicht gegeben wird, weil diese ganze Gremienarbeit eh schon sooo viel (unnötige?) Zeit in Anspruch nehme. JA, Demokratie und Mitbestimmung haben ihren Preis, aber sie sind es auch wert! Denn nur so können sich alle an dieser Uni mitgenommen fühlen, statt von oben herab regiert. Und außerdem ist es auch ganz pragmatisch gesehen von Vorteil, wenn zu einer guten Lösung alle Beteiligten ihre Sichtweise und Erfahrungen einbringen können. Wir erleben es oft genug, dass Lösungen herauskommen, die sich hinterher als schlecht erweisen; eben weil nicht alle Erfahrungen miteinbezogen wurden!
In diesem Sinne wünsche ich meinem Nachfolger Paul Krüger alles Gute für seine Arbeit, ein offenes Ohr für unsere studentischen Interessen, die Ausdauer und Ruhe auch mal kurzfristige und manchmal ernüchternde Rückschläge zu ertragen und natürlich auch einfach Spaß. Die Arbeit lohnt!
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